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In unsren Herzen brennt eine Sehnsucht
Sommerausstellung, kuratiert von Katharina Fichtner
mit Björn Braun, Till Gerhard, Nan Hoover, Andreas Lorenschat, Michael
Müller, Damien Roach, Claudia Wieser
19. Juli – 23. August 2008
Eröffnung der Ausstellung: Freitag,
18. Juli 19-21 Uhr
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Susanne Vielmetter Berlin Projects freut sich vom 19. Juli – 23. August eine
von Katharina Fichtner konzipierte Gruppenausstellung präsentieren zu können:
In unserem Herzen brennt eine Sehnsucht führt uns in die Berge, zu jenen
Sehnsuchtsorten, die seit über hundert Jahren auf ganze Künstlergenerationen
eine starke Anziehungskraft ausgeübt haben – und das bis heute tun.
Von jeher galten die Berge in ihrer Unberührtheit als Orte, an denen sowohl
die Götter als auch das Dämonische zu Hause waren. Waren sie einst wegen
ihrer Unüberwindbarkeit gefürchtet, so entwickelte sich parallel zum
aufkommenden Alpinismus und zur allmählichen touristischen Erschließung im
19. Jahrhundert eine neue Begeisterung für die Berge, die auch von vielen
Künstlern mitgetragen wurde. Insbesondere die Avantgardisten und
Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts fühlten sich von der
Ursprünglichkeit der Bergwelt angezogen. Künstler- und Lebensgemeinschaften
suchten in den Alpen – wie auf dem berühmten Monte Verità – eine Gegenwelt
zu den zu eng gewordenen Städten. Hier, nahe den Gipfeln fühlte man sich mit
den kosmischen Energien verbunden die utopischen Gedanken und ganzheitlichen
Entwürfen eine anregende Kraft zu verleihen schienen.
Angesichts ihrer vollständigen touristischen Erschließung können die Berge
heute nicht mehr als Fluchtpunkte auf der Suche nach alternativen Kunst- und
Lebensformen dienen. Der Mythos der unberührten Bergwelt ist zum Klischee
geworden, die Fantasie von einer Einheit von Mensch und Natur – wenn es sie
überhaupt je gegeben hat – ist nicht zu halten. Und dennoch scheint das
Motiv nur wenig von seiner Strahlkraft eingebüsst zu haben. Die Bergwelt
scheint in ihrer Erhabenheit, als imaginativer Fluchtort, als
mythisch-religiös besetzter Raum oder als Identifikationspunkt noch immer
eine besondere Kraft auszuüben, die sich Künstler auch heute noch für ihre
Arbeit zu nutze machen. Sei es um eine unbestimmte Sehnsucht auszudrücken,
um fehlgeschlagene Utopien oder eine längst verlorene Vergangenheit zu
adressieren – das Wissen um den Verlust und das Unerreichbare ist dem Motiv
immanent.
Die Ausstellung In unseren Herzen brennt eine Sehnsucht zeigt Arbeiten von
sieben Künstlern, die die Bergwelt und ihre vielfältigen Bedeutungsebenen
ausloten. Till Gerhard schöpft für seine Malereien und Collagen aus einem
Fundus an Urbildern. Er sucht nach den Spuren uralter Traditionen, die ihre
Wurzeln in der heidnischen Vorstellungswelt und den Bräuchen der
Alpenregionen haben und die immer wieder eine Faszination auf die
Sinnsuchenden verschiedener Generationen ausgeübt haben. Die kultische
Naturerfahrung steht auch im Zentrum von Nan Hoovers Video „Returning to
Fuji“ in dem sie den Wandel von Morgen, Mittag und Abend am heiligen Berg
der Japaner durch die subtile Veränderung von Licht und Schatten künstlich
nachstellt. Beschwörende Toneffekte ergänzen die abstrahierte Darstellung
eines, in mystische Wolken gehüllten Berges, der allmählich seine Gestalt
verändert und schließlich nur noch als abstrakte Form wahrgenommen werden
kann. In ihren Zeichnungen und skulpturalen Arbeiten greift Claudia Wieser
auf das Formenvokabular der utopischen Moderne zurück, wie auf die
expressionistischen Architekturentwürfe von Bruno Taut, für die die
markanten Formen der alpinen Landschaft Vorbild waren. Indem Wieser die
abstrakten Formen aufgreift, sich aneignet, und neu mit der Bilderwelt der
Berge spiegelt, gelingt ihr eine Befragung und Neuformulierung des
utopistischen und weltreformerischen Gedankenguts dieser Zeit. Nur eine
dünne Bleistiftlinie verbindet in der Zeichnung von Michael Müller die
beiden indischen Planstädte Chandigarh und Auroville. Hier am Fuße des
Himalaja und im Süden des indischen Subkontinents haben die modernen
gesellschaftlichen Utopien in der Konzeption von Städten Gestalt angenommen;
hier im Nichts gebaut konnte Le Corbusier mit Chandigarh seine Vorstellung
einer modernen Stadt umsetzen und wurde mit Auroville ein "urbanes Modell
menschlicher Einheit und gelebter Völkerverständigung" entwickelt. Wie
Inseln liegen die beiden Städte in der gesellschaftlichen Realität Indiens –
nur durch die fiktive Stecke des Utopia-Express verbunden. In den Arbeiten
von Björn Braun finden sich Spuren von der Sehnsucht nach einer längst
verlorenen Vergangenheit oder weit entfernten Orten. Seine Installation „Schweizer
Krankheit“ widmet sich einem Leiden, das im 17. Jahrhundert bei Schweizer
Fremdenlegionären diagnostiziert wurde, die von einem melancholischen, von
Heimweh begleiteten Seelenzustand geplagt wurden, der auf den Verlust der
vertrauten Vorstellungswelt zurückführt wurde. Nur durch die Rückkehr in die
Heimat der Schweizer Berge versprach man sich damals Heilung. Die
Videoarbeit von Andreas Lorenschat „Das Lagerfeuer“ beschreibt die Sehnsucht
nach dem Erleben elementarer Kräfte: Mit der Szene am Lagerfeuer wird dieses
Sehnsuchtsgefühl beschworen, aber schließlich nicht eingelöst. Durch das
Eindringen zivilisatorischer Geräusche und die Lichter einer Stadt,
scheitert der Versuch einer Verzauberung, die das romantische Motiv
hervorrufen will. Damien Roach macht in seinen Arbeiten einen Verlust
sichtbar – den Verlust der Fantasie von einer ursprünglichen und unberührten
Natur der Berge, die angesichts einer vollständigen touristischen und
wirtschaftlichen Erschließung nur schwer aufrechterhalten werden kann. Mit
kleinen, auf den ersten Blick gar nicht wahrnehmbaren Eingriffen in die
Bilderwelt des Alltäglichen stellt er dem Banalen das Erhabene entgegen und
auf einmal erkennt man in den Kratzern im Lack der Tischplatte ein
Bergpanorama, einem Traumbild gleich.
19. Juli – 23. August 2008, Do – Sa. 11-18 Uhr
Eröffnung: 18. Juli , 19-21 Uhr
Bilder und Pressematerial erhalten Sie von Tobias Vielmetter unter tobias@vielmetter.com.
Susanne Vielmetter kann unter susanne@vielmetter.com erreicht werden.
SUSANNE VIELMETTER BERLIN PROJECTS befindet sich in der Holzmarktstraße
15-18 in Berlin Mitte, direkt neben c/o – Atle Gerhardsen. Von der U/S
Bahn-Haltestelle Jannowitzbrücke gehen Sie 300 Meter nach rechts bis zur
Tankstelle. Die Galerien liegen rechts hinter der Tankstelle unter den S-Bahn-Bögen.
Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr.
ENGLISH:
Susanne Vielmetter Berlin Projects is pleased to present a summer exhibition
curated by Katharina Fichtner. In unsren Herzen brennt eine Sehnsucht (In
our heart a longing burns) leads us into the mountains, to those places of
longing that have had great appeal to generations of artists for hundreds of
years, and continue to do so to the present day.
The mountains in their untouched state were originally considered to be
residence to both the godly and the demonic, once feared for their
insuperability. With the emergence of alpinism and the gradual development
of tourism in the 19th century, a new enthusiasm for the mountains arose,
which was shared by many artists. In particular the avant-garde and the
members of the reform movements of the early 20th century were struck by the
alpine world in its unspoiled state. In the Alps, artist-groups and
communities were looking for an alternative environment to the increasingly
crowded cities – like the famous Monte Verità. Here, close to the mountain
peaks, one could feel connected to the cosmic energies that seemed to give
bracing power to utopian ideas and holistic conceptions.
Today, with the dominance of tourism, mountains can no longer be seen as
places of refuge in the search for alternative approaches to art and life.
The myth of the unspoiled alpine world has become a cliché; the fantasy of a
unity between humans and nature, if it ever existed, cannot be maintained.
Still, the subject has lost none of its charisma. The mountains with their
sublimity, as imagined places of refuge, as mystical-religious lieus or as a
target of identification, seem to exert a special force which is still
employed by artists today. Whether they use it to express an undefined
longing, to address a failed utopia or a long lost past, it is the awareness
of the loss and of the unattainability, that is immanent to the subject.
The exhibition, In unsren Herzen brennt eine Sehnsucht shows works of seven
artists that explore the mountains and their manifold levels of meaning. In
his paintings and collages Till Gerhard refers to iconographies of ancient
traditions, which have their roots in the heathen mindscape and the rites of
the Alpine region. These traditions repeatedly continue to fascinate
generations on a quest for spirituality and holism. The cultic experience of
nature is also central to Nan Hoover’s video “Returning to Fuji“. In this
work she artificially reconstructs the transition of morning, noon and
night, at Japan’s Holy Mountain through a subtle change of light and shadow.
Conjuring sound effects complement the abstract depiction of a mountain,
draped in mystical clouds, changing gradually its shape and finally only
observable as an abstract form. With her drawings and sculptures Claudia
Wieser refers to the formal language and stylistic elements of an utopian
modernism, to the expressionistic architectural plans of Bruno Taut, which
looked to the remarkable forms of the alpine landscape. In adopting the
abstract geometric forms and reflecting them in the imagery of the
mountains, she questions and reinterprets these utopian models for today. In
the drawing of Michael Müller a thin pencil-line connects the Indian cities
Chandigarh and Auroville. Here, embedded in the Himalayas and in the deep
south of the Indian subcontinent, the modern utopian ideas took form in the
realization of new cities. In an abandoned region of the Himalayas, Le
Corbusier could realize his vision of a modern city whereas Auroville
embodied the dream of an “urban model of human unity and an implemented,
multi-ethnic society”. Within the reality of contemporary India these two
cities form islands, linked only by the fictive rail of the “Utopia
Express”. The work of Björn Braun contains traces of the longing for a long
gone past or far away places. His installation “Schweizer Krankheit“ (Swiss
Disease) is dedicated to a disease that was first diagnosed in the 17th
century amongst Swiss foreign legionnaires. They were afflicted by an
emotional condition of deep homesickness and melancholy that was ascribed to
the loss of a familiar realm of perception. The only cure was returning home
into the Swiss mountains. The video-installation “Lagerfeuer” (Campfire) by
Andreas Lorenschat describes the longing for an experience of elemental
forces. The scenery at the campfire conjures up the feeling of longing while
never satisfying it: the lights and noises of a nearby city perturb the
romantic scenery. In his works Damien Roach depicts a loss – the loss of the
fantasy of the authentic and unspoiled nature of the mountains, which,
considering mass-tourism and economic commercialization, can hardly be
maintained. With discreet interventions in the imagery of the everyday,
often not visible at first sight, he opposes the banal with the sublime and
suddenly, in the scratches of lacquer on the tabletop, an image of a
dream-like mountain panorama appears.
July 19 –August 23, 2008, Thursday – Saturday from 11 am – 6 pm
Reception: July 18, 7 – 9 pm
For images and press material, please contact Tobias Vielmetter at tobias@vielmetter.com.
Susanne Vielmetter can be reached at susanne@vielmetter.com.
SUSANNE VIELMETTER BERLIN PROJECTS is located at Holzmarktstrasse 15/18 in
Berlin Mitte. From the U/S train stop Jannowitzbrücke turn right and walk
approximately 300 meters towards the “Aral” gas station. At the “Aral” gas
station turn right towards the galleries which are located in the arched
spaces underneath the rail road tracks. Gallery hours are Tuesday – Saturday
from 11 am – 6 pm
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